TIPPS UND INFOS
Ein sicherer Bauhof ist Gold wert
Text: Monika Walter | Foto (Header): © LivEye
Immer wieder liest man von Einbrüchen auf kommunalen Bauhöfen. Die hochwertigen Maschinen und Geräte und die oft unbelebte Lage am Ortsrand locken Langfinger an. Wir haben uns daher umgeschaut: Was ist technisch möglich und sinnvoll, um Diebstählen vorzubeugen?
Auszug aus:
der bauhofLeiter
Ausgabe April 2025
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Unbekannte sind in das gemeinsame Gebäude des Bauhofs und der Feuerwehr der Stadt Geisingen eingebrochen. Die Tat soll sich laut Polizei im Zeitraum von Sonntag, 7. Januar, um 15 Uhr und Montag, 8. Januar, um 9 Uhr ereignet haben.“ So heißt es in einem Polizeibericht von Januar 2024. Wie uns Bauhofleiter Simon Glunk auf Nachfrage mitteilte, sind die Täter vermutlich mit einem Fahrzeug in den nicht gut einsehbaren Parkplatz/Innenhof gefahren. Dort öffneten sie gewaltsam ein altes Fenster und drangen dadurch in das Feuerwehrgebäude ein. Von dem Zwischenflur kommt man durch eine Tür entweder in den Feuerwehrtrakt oder in die Räumlichkeiten des Bauhofs. Die Einbrecher versuchten mehrfach, die eingemauerte Tür mit Stahlzargen gewaltsam mit Hebelwerkzeugen zu öffnen, scheiterten jedoch dabei. Vielleicht wurden sie auch von den früh eintreffenden Winterdienstfahrern gestört. So blieb es in der badenwürttembergischen Stadt bei einem Sachschaden von ca. 3.000 Euro.
Vorbeugende Maßnahmen in verschiedenen Kommunen
Damit so etwas nicht wieder passiert und beim nächsten Mal vielleicht mit mehr Glück für die Gauner, ist das Gelände mittlerweile umzäunt. Das war auch ein Wunsch der Versicherung. Außerdem sind Lichter mit Bewegungssensoren installiert, um unbemerktes Eindringen zu erschweren. Mit GPS-Trackern, die einige Hersteller für Fahrzeuge anbieten, wird hingegen nicht gearbeitet. Allerdings sind alle Werkzeuge und Maschinen registriert. Da Bauhof und Feuerwehrgerätehaus in Geisingen mittlerweile komplett von Wohnbebauung umgeben sind, verzichtet man auch auf einen kostspieligen Wachdienst, denn die Nachbarn bekommen im Ernstfall viel mit.
Auch am Bauhof im rheinland-pfälzischen Edesheim wurde Anfang 2025 versucht, einzubrechen. Und auch hier sorgte eine massive Stahltür dafür, dass die Diebe unverrichteter Dinge abzogen. Ortsbürgermeister Christian Kocher sagte, dass man künftig überlegen müsse, wie sich das ehemalige Bahngebäude noch besser schützen lasse. Fenster sind zwar vergittert und die Garage ist mit einem schweren Rolltor gesichert, aber zusätzliche Abschreckungsmaßnahmen werden sicher noch kommen.
Beim Zweckverband Bauhof TKS in Brandenburg setzt man ebenfalls darauf, es Eindringlingen so schwer wie möglich zu machen. An den beiden Einfahrten sind Überwachungskameras installiert. Der von der Straße einsehbare Teil ist mit einem 2,5 m hohen Zaun gesichert. Die anderen Grundstücksgrenzen haben neben einem Zaun noch eine 2,5 m hohe Mauer. Die Hallentore können nur mit einem speziellen „Dongle Key“ geöffnet werden. Nachts und am Wochenende ist der Zugang nicht freigeschaltet. Alle Fahrzeuge sind mit Wegfahrsperren ausgerüstet. Vor der Zusammenlegung der Aufgabenbereiche aus den Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf wurden in Teltow die Geräte testweise mit unsichtbarer DNA markiert. Ob das etwas gebracht hätte, ist jedoch zu bezweifeln – denn wenn die Geräte mal über der Grenze verschwunden sind, sucht keiner nach DNA-Spuren auf Motorsägen, vermutet Geschäftsführer Uwe Brinkmann.
KI und Videotechnik kann schützen
Verschiedene Hersteller und Firmen befassen sich mit Produkten zu Diebstahlschutz. Es gibt mittlerweile z. B. Sensoren, die die Größe einer Zigarre haben und an Kabeltrommeln oder Zäunen befestigt werden. Sobald sich dort etwas bewegt, löst der Alarm aus. Laut Hersteller Dipl.-Ing. Klaus Flocke arbeitet der Sensor mindestens vier Jahre wartungsfrei und ist für unter 1.000 Euro zu haben (info@klausflocke.de).
Für den Fuhrpark und größere Maschinen hat Brigade auf der Bauma in München Produkte gegen Diebstahl und Vandalismus vorgestellt. Eine bei Fahrzeugstillstand aktive KI-Personenerkennungskamera sendet etwa eine akustische Warnung, wenn sie eine Person zu dicht am Fahrzeug oder am Tankdeckel erkennt, was Täter abschrecken soll. Es ist zudem möglich, einen mobilen Digitalrekorder zu verwenden, der bei Erkennung einer Person das Bildmaterial der Kamera für einen bestimmten Zeitraum aufzeichnet und bei der Option mit Fernzugriff eine Warnung an den Flottenmanager sendet (brigade-electronics.com).
Auf „Mieten statt Kaufen“ setzt das Angebot von LivEye. Fünf moderne Überwachungskameras in einem flexibel anschraubbaren Gehäuse überblicken das Gelände und lösen KI-gestützt Alarm aus. Die 24/7-besetzte Leitstelle des Herstellers greift laut Herstellerangaben sofort ein und spricht die Täter an oder informiert die Polizei. Damit NSTR läuft, benötigt die Anlage lediglich eine Steckdose. Das in Deutschland produzierte System dokumentiert die beobachteten Ereignisse laut Angaben rechtssicher und DSGVO-konform. Eine Fläche im Winkel von 200° und mit 4.300 m² kann mit den fünf Kameras überwacht werden (www.nstr.tech).
Ebenfalls auf Kameras setzt der Sec-Watch, ein mobiler Tower mit einer Masthöhe bis zu neun Metern. Mit bis zu vier Analysekameras ermöglicht er eine 360°-Überwachung bei Tag und Nacht. Und dank Akku soll die Überwachung auch bei einem Stromausfall noch für 27 Stunden gewährleistet sein. Alternativ kann der Tower mit Solarmodulen ausgerüstet werden. Schwerpunktmäßig gegen „Klau am Bau“ entwickelt, kann optional eine begehbare Erste-Hilfe-Box integriert werden (www.compu-house.de).
Gar nicht erst rein lassen
Es kann sehr hilfreich sein, wenn Kameras verdächtiges Verhalten bemerken und aufzeichnen bzw. Alarm auslösen. Doch der erste Schritt sollte immer sein, den Zugang zum Hof zu erschweren. Eine automatisierte Schranke mit Kennzeichenerkennung hilft hier z. B., um unerlaubten Fahrzeugen die Einfahrt zu verbieten. Die Blömen Verkehrs- und Sicherheitstechnik GmbH beispielsweise bietet mit Parklio ein flexibles Schrankensystem an. Die ANPRParkkamera erfasst in weniger als einer Sekunde das Nummernschild und gleicht es mit der Whitelist ab. Für alle Fahrzeuge, deren Kennzeichen nicht registriert sind, bleibt die Schranke zunächst einmal zu. Die Schranke kann jedoch jederzeit manuell oder per App aus der Ferne gesteuert werden (www.bloemen-vus.de).
Die Autorin
Monika Walter
Redaktion „der bauhofLeiter“